Ein Kind benutzt ein Tablet im Rahmen des Projektarbeit des „Netzwerk Inklusion mit Medien (NIMM!)“.

Inklusionspreis NRW

Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW für innovative Inklusions-Projekte ausgezeichnet

Alle zwei Jahre zeichnet das Land Nordrhein-Westfalen mit dem Inklusionspreis NRW Projekte aus, die das inklusive Zusammenleben der Menschen mit und ohne Behinderungen fördern. Beim diesjährigen Schwerpunktthema „Teilhabe durch Digitalisierung“ konnten vor allem Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW punkten. Die Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW aus Duisburg belegte mit dem „Netzwerk Inklusion mit Medien (NIMM!)“ den ersten Platz und der Wertkreis Gütersloh für seine digitalen Assistenzsysteme den dritten Platz. Auch in weiteren Kategorien überzeugten Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW: in der Kategorie „Arbeit und Qualifizierung“ das gemeinnützige IT-Unternehmen AfB aus Düren und in der Kategorie „Barrieren abbauen – Zugänge schaffen“ die Lebenshilfe Oberhausen.

Medienarbeit für Alle

Der erste Preisträger aus der Kategorie „Teilhabe durch Digitalisierung ist das „Netzwerk Inklusion mit Medien (NIMM!)“. Dieses ist ein Angebot der Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW aus Duisburg und der Technischen Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft Berlin. Es möchte Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit in NRW unterstützen, Medienprojekte für alle Kinder und Jugendliche durchzuführen. Denn Medienprojekte lassen sich in der außerschulischen Jugendmedienarbeit relativ einfach durchführen und auch für Kinder mit Behinderungen barrierefrei anpassen. Die Mitarbeitenden des Netzwerks geben zum Beispiel Tipps, wie man Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Behinderungen in die praktische Medienarbeit einbindet. Außerdem informiert es über barrierefreie digitale Medien und einfache Medienarbeit mit Tablets.

Digitale Assistenzsysteme erleichtern Arbeit

Der dritte Preis aus der Kategorie „Teilhabe durch Digitalisierung“ ging an den Wertkreis Gütersloh. Das Sozialunternehmen mit mehr als 2.500 Mitarbeitenden setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung in allen Bereichen des Lebens volle und gleichberechtigte Teilhabe genießen. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IOSB-INA hat der Wertkreis ein digitales Assistenzsystem entwickelt, das auch schwächer werdenden Mitarbeitenden ermöglicht, weiterhin produktiv zu arbeiten. Im Aufbau ähnelt das Assistenzsystem einem der üblichen Montage- beziehungsweise Verpackungsarbeitsplätze in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Zusätzlich sind zwei Beamer, Kameras, ein kleiner PC und ein Touchscreen-Monitor verbaut. Diese elektronischen Komponenten leiten die Nutzer*innen durch die verschiedenen Arbeitsprozesse. Das digitale Assistenzsystem lässt sich nicht nur innerhalb Wertkreis-Werkstätten einsetzen, sondern auch bei einem Wechsel auf den ersten Arbeitsmarkt.

Hand in Hand

Wie vielfältig die Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung sein können, zeigt AfB, Europas größtes gemeinnütziges IT-Unternehmen mit Sitz in Düren. Im Rahmen von IT-Partnerschaften mit Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen übernimmt AfB nicht mehr benötigte Hardware mit dem Ziel, sie wieder zu vermarkten. Von den insgesamt 440 Mitarbeitenden haben 45 Prozent eine Behinderung. Alle arbeiten Hand in Hand in gemischten Teams. Die komplette Infrastruktur – von den Prozessen über die Räumlichkeiten bis zu Soft- und Hardware – ist barrierefrei oder barrierearm.

Justiz in Leichter Sprache

Der Preis in der Kategorie „Barrieren abbauen – Zugänge schaffen“ ging an die Fachhochschule für Rechtspflege NRW. Im Rahmen des Projekts „Justiz in Leichter Sprache“ übersetzen Studierende in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Oberhause juristische Inhalte in Leichte Sprache. Es wurden zunächst die Internetauftritte aller 149 Amts- und Landgerichte Nordrhein-Westfalens übersetzt und ein dazu gehöriges Rechtswörterbuch gestaltet. Außerdem wirkte das Team an der Übersetzung der Landesverfassung NRW mit und für die Verwaltungsgerichtbarkeit wurde das Asylverfahren übersetzt. Als nächstes ist die Umsetzung für den Strafvollzug (Besuchsregelungen, Postverkehr und so weiter) geplant. Auch die Justiz und verschiedene Hochschulen anderer Bundesländer haben ihr Interesse an den Übersetzungen bekundet.

Über den Inklusionspreis

Um den Inklusionspreis NRW beworben hatten sich insgesamt 144 Projekte und Initiativen. Neun Preise, die mit 30.000 Euro dotiert waren, wurden vergeben. „Die Projekte zeigen mit ihrer großen Vielfalt, wie Inklusion in Nordrhein-Westfalen bereits gelebt wird. Mit ihrer Kreativität leisten sie einen Beitrag, dass Menschen mit Behinderungen ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben führen können“, sagte NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann bei der Preisverleihung, die angesichts der Corona-Pandemie als reine Online-Veranstaltung stattfand. In Nordrhein-Westfalen leben etwa drei Millionen Menschen mit Behinderungen. Rund zwei Millionen von ihnen haben eine Schwerbehinderung.

 


Bild: ©Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW

Aufgrund der Corona-Pandemie fand die diesjährige Preisverleihung als Online-Veranstaltung statt. Auf diese Weise vergab NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann den Preis unter anderem an die Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW.
©Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW